Kurzmeldung Wegwerfnahrung
Stellen wir uns mal vor, die Weltbevölkerung wäre ein Dorf von hundert Menschen.
Alle an einem Ort?
Genau. Dann gäbe es in diesem Dorf z.B. 12 Computer, 13 Autos und 68 Handys.
Und wie viele hungern?
Von den 100 Menschen hungern 14, und 24 sind übergewichtig.
Und das alles in einem Dorf, direkt nebeneinander. Das wäre sicher konfliktreich und spannungsgeladen.
Ja, und jetzt stellen wir uns vor: Die 24 Übergewichtigen, die werfen auch noch vierzig Prozent von dem, was sie an Nahrung zur Verfügung haben, weg. Vor den Augen der Hungernden!
Ein echter Skandal! Aber sag mal: Die Zahl hast du doch jetzt erfunden, die kann doch nicht stimmen! 40 Prozent!
Doch. Man dachte lange Zeit 30 Prozent. Aber die Zahlen sind schwer zu ermitteln. Niemand redet gerne darüber. US-amerikanische Forscher haben jetzt neu nachgerechnet.
Sie haben das Durchschnittsgewicht der Amerikaner und die Gewichtszunahme mit den verkauften Lebensmitteln verglichen. Und da kamen fast 40 Prozent Verlust raus. Lebensmittel, die nicht gegessen, sondern weggeworfen werden. In anderen Industrieländern sieht es nicht viel besser aus.
In dem Film „We feed the world“ kann man sehen, dass das Brot, das in Wien weggeworfen wird, ausreichen würde, um die Stadt Graz mit Brot zu versorgen.
Der amerikanische Buchautor Tristram Stuart hat in einem Buch festgestellt, dass man mit dem Essen, das weltweit weggeworfen wird, die Hungernden der Erde siebenmal satt bekommen würde.
Und wer wirft das alles weg? Die Supermärkte?
Die sind mit beteiligt. Sie wollen ihre Regale immer voll haben, auch am Abend. Nach Ladenschluss wird dann vieles weggeworfen. Aber der Löwenanteil entfällt auf die Verbraucher.
Lass mal überlegen. Du meinst Leute, die am Wochenende groß einkaufen und dann doch ins Restaurant gehen. Oder solche, die nur das Mindesthaltbarkeitsdatum anschauen, obwohl das Lebensmittel vielleicht doch noch essbar ist.
Zum Beispiel. Man schätzt, dass 10 Prozent der Lebensmittel, die in Deutschland eingekauft werden, ungeöffnet im Müll landen.
Das macht mich jetzt doch nachdenklich. Da stimmt doch was nicht an unserer Einstellung, an der Wertschätzung für die Mutter Erde, die das letztlich alles hervorgebracht hat.
Vielleicht ist es auch ein Qualitätsproblem. Alles muss immer billig sein und sofort verfügbar. Man könnte ja auch etwas mehr ausgeben für ein gutes Brot z.B., das dann mehrere Tage haltbar ist. Sonst verschwenden wir ja nicht nur Nahrung, sondern auch jede Menge Energie und belasten das Klima zusätzlich. Wenn sich das nicht mal irgendwann rächt.
Früher, als es weniger gab, da war man erfinderisch. Da hat die Oma aus Brotresten eine schmackhafte Suppe gekocht. Der Bäcker hat das Brot vom Vortag günstiger verkauft, oder es dem neuen Sauerteig zugesetzt. So was macht ein Supermarkt natürlich nicht.
Also, wenn man die Augen offen hält, findet man solche Lösungen auch heute wieder. Ich finde es gehört einfach zum Anstand und Benehmen gegenüber der Mutter Erde, die uns ernährt, dass wir mit ihren Schätzen gewissenhaft umgehen. Dass wir uns bewusst machen, was wir essen, wo es herkommt, wie es angebaut wurde. Dann bekommen wir wieder mehr Respekt.
Da fällt mir übrigens noch was ein.
Was denn?
In deinem Dorf mit den hundert Menschen. Wieviele davon sind eigentlich Vegetarier?
Ich würde mal schätzen: so ungefähr 15, drei davon allein in Indien.
Das könnte nämlich auch ein Punkt sein. Wenn sich ein Fleischesser jedes Mal bewusst machen würde, wo seine Nahrung herstammt und wie das Tier gehalten und wie es genau umgebracht wurde, dann würde er vermutlich schlaflose Nächte haben. Dann wird er es lieber verdrängen.
Vielleicht sind viele Menschen einfach abgestumpft und machen sich über all das lieber keine Gedanken.
Ist eigentlich klar: Anstand, Benehmen, Ethik, Moral und Stil. Wenn wir das gegenüber den Tieren haben, dann haben wir’s auch gegenüber unserer Nahrung.