„Die Welt will betrogen sein!“ Wer sagte das?

Zum ersten Mal wurde das in deutscher Sprache von Sebastian Brant geschrieben, in dem berühmten Buch „Das Narrenschiff“.

Neulich ist mir dieser Spruch wieder eingefallen – als der hundertste Geburtstag von Mutter Teresa gefeiert wurde.

Der Engel von Kalkutta. Die Ikone der Nächstenliebe. Undsoweiter. Und was war an der so Betrügerisches?

In der ARD lief am 25. August 2010, also am Vorabend des hundertsten Geburtstags, ein aufschlussreicher Film: „Das schwierige Erbe der Mutter Teresa.“ Ein Filmteam ist nach Kalkutta gereist und hat an Ort und Stelle gedreht.

Da waren doch mal vor einigen Jahren so Vorwürfe im Raum, dass die Hygiene in dem berühmten Sterbehaus sehr zu wünschen übrig lässt.

Das hat das Filmteam auch herausgefunden. Nach Aussage des Films wird meist nur mit kaltem Wasser gewaschen. Es gibt keine Waschmaschinen. Spritzen werden häufig wieder verwendet. Menschen mit ansteckenden Krankheiten werden zur Not auch mal ohne Handschuhe gewaschen. Ein Arzt kam in der Einrichtung, die da gefilmt wurde, höchstens einmal die Woche vorbei.

Woran liegt das? Haben die zu wenig Geld?

I wo! Spenden gibt es genug, auch Freiwillige, die helfen wollen.

Aber die ganze Philosophie der Mutter Teresa ist offenbar nicht auf Heilen und Leben ausgerichtet, sondern auf das Sterben. Sie wollte Sterbenden das Hinübergehen erleichtern. Aber dass jemand bei entsprechender Behandlung oder mit den richtigen Medikamenten weiterleben könnte, ist offenbar zweitrangig.

Also eine Art Sterbenskult. Ich hab mal gelesen, dass kaum Schmerzmittel verwendet werden und den Kranken statt dessen gesagt wird, die Schmerzen brächten sie näher zu Gott.

Das wurde in dem Film auch bestätigt. Und dazu kommt: Die Menschen in einer der Einrichtungen, die da gefilmt wurde, verfügen über keinerlei Privatsphäre, dürfen keine Besuche empfangen, keine Bilder aufhängen, nicht umhergehen, ihnen werden die Haare geschoren. Da muss man schon wirklich schlecht dran sein, wenn man das alles in Kauf nimmt.

Und in der unmittelbaren Umgebung der Einrichtungen wurden Menschen gezeigt, denen es sehr schlecht ging und denen trotz ihrer Bitten nicht geholfen wurde. Eine Mutter mit zwei kleinen Kindern wurde wieder vor die Tür gesetzt, weil sie, so ihre Aussage im Film, ihre Kinder nicht in diesem Heim zurücklassen wollte.

Vielleicht wären die Kinder dann zur Adoption nach Europa gelangt. Auch über solche Fälle hat die Presse ja berichtet.

Und dabei hätten die Nonnen ja offensichtlich Geld, um das alles anders zu gestalten. Nur das scheint eben nicht sehr transparent zu sein, wo das Geld jeweils landet. Aber weshalb wird diese Frau, Mutter Teresa, dann bis heute so verehrt?

Ich kann es mir nur so erklären: Die Vatikankirche hat hier mit ihrer jahrhundertelangen Erfahrung ihre Chance erkannt, eine neue Heilige hervorzubringen und hat erfolgreich an den entsprechenden Legenden gestrickt. Über die Vorwürfe, die seit Jahren erhoben werden, auch in dem erwähnten Film, geht man einfach hinweg, statt sie zu klären. Man vertraut auf den Mythos, den man selbst über Jahre hinweg gezielt aufgebaut hat.

Eine spannende Sache. Wir erleben gerade mit, wie auf den Narrenschiff Welt Heilige produziert werden – auch wenn Mutter Teresa bis jetzt nur seliggesprochen ist. Man kann sich lebhaft vorstellen, bei wie vielen angeblich Heiligen es in der Geschichte ähnlich zugegangen ist.

Dabei steht schon in der Bibel: Heilig ist nur einer, nämlich Gott. Und um Ihm näherzukommen, benötigen wir keine Vermittler, weder Priester noch Heilige. Denn Er lebt in uns.