„Geh doch zurück in dein von Mussolini ausgehecktes Westentaschen-Fürstentum und komm nie wieder!“ Wer hat das gesagt?

Das war doch dieser Atheist aus England, Richard Dawkins heißt er, der gegen den Besuch des Papstes in Großbritannien im September 2010 protestierte. Dawkins spricht dem Vatikan ab, ein richtiger Staat zu sein. Und deshalb könne er auch keinen Staatsbesuch machen.

In der Tat besteht ja der Vatikan nur aus ein paar Gebäuden samt Garten. Und es war tatsächlich der faschistische Diktator Benito Mussolini, der mit dem damaligen Papst gemeinsame Sache bei der Zerstörung der italienischen Demokratie machte und sich mit der Gründung dieses Mini-Staates erkenntlich zeigte.

Und diese destruktive Energie von damals wirkt bis heute nach. Es kommt ja immer wieder vor, dass Straftäter aus den Reihen der vatikanischen Bewohner unter Berufung auf die staatliche Immunität der italienischen Justiz entzogen werden. Der ehemalige UN-Richter und Menschenrechtsexperte Geoffrey Robertson verlangt daher, die Fiktion, dass die Vatikanstadt ein Staat sei, endlich aufzugeben.

Jetzt verstehe ich auch, dass in Großbritannien so viele Menschen dagegen protestieren, dass der Staat die Hälfte der Kosten des Papstbesuches von 24 Millionen Euro, also ungefähr 12 Millionen, übernahm. Und da sind die Kosten für die Sicherheit noch gar nicht mitgerechnet.

Der Londoner Philosoph Prof. Anthony Grayling hatte ja sogar gefordert, den Papst bei seinem Besuch in England verhaften zu lassen. Er begründet das damit, dass der jetzige Papst der Chef der katholischen Kinderschänder und einer der Hauptverantwortlichen für die Vertuschung zahlloser Sexualverbrechen sei. Aber dagegen hat dem Papst wieder die Fiktion geholfen, dass er ein Staatsoberhaupt sei.

Es ist wirklich wie eine Fata morgana. Der Papst ist kein Staatsoberhaupt, sondern der Chef aller Katholiken dieser Welt. In dieser Funktion sollte er sich freilich nicht als Stellvertreter Christi ausgeben. Denn auch das ist eine Fiktion: Jesus von Nazareth hat keinen Stellvertreter installiert und wollte auch von Priestern und Prälaten nichts wissen. Die Priesterkaste Seiner Zeit ließ den Sohn Gottes umbringen und die Priesterkaste von heute hat Ihn ebenfalls längst verraten.

Deshalb sollte sich die Vereinigung, der der Papst vorsteht, auch nicht christlich nennen. Denn auch das ist nichts anderes als die Vorspiegelung falscher Tatsachen. Jesus von Nazareth sagte: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt.“ Ein protziger Kirchenkonzern, dessen Repräsentanten sich in vergoldeten Palästen und in heidnischen Ritualen feiern lassen, haben mit dem Nazarener nichts gemein, ganz zu schweigen von den schweren Verbrechen, die durch und in dieser Organisation in Vergangenheit und Gegenwart begangen wurden bzw. werden.

Während der Papst in Großbritannien einflog, erschütterte die Aufdeckung sexueller Gewalt katholischer Priester gegen Hunderte von Kindern und Jugendlichen die belgische Öffentlichkeit. Und auch in Deutschland werden immer neue Kinderschänderverbrechen bekannt.

Der Papst scheint dessen ungeachtet den Kampf mit den kämpferischen Atheisten aufnehmen zu wollen. Nicht von ungefähr reiste der Papst genau zum hundertsten Jahrestag der so genannten Anti-Modernisten-Eide nach England. Im Jahr 1910 zwang Papst Pius X. alle Priester, einen Eid zu schwören, wonach sie sich niemals mit demokratischen Selbsterlösern einlassen wollten, mit jener Verschwörung aus Atheisten, Naturwissenschaftlern und Fortschrittsfreunden, die das Paradies auf Erden errichten und sich von der Erbsünde erlösen wollten, wie die Wochenzeitung „Die Zeit“ schreibt.

Aber gäbe es den kämpferischen Atheismus überhaupt, wenn die Kirche nicht über 2000 Jahre hinweg die Lehre des Jesus von Nazareth in ihr Gegenteil verkehrt hätte?