Kurzmeldung Plakat Raubzug

Für Aufregung sorgte im Jahre 2004 in Deutschland ein Plakat. In manch einem Gemeindeart gab es bereits Diskussionen darüber, so z.B. in der Kleinstadt Renchen bei Offenburg.

Das Plakat sei „unmöglich“, sagte ein Gemeinderat gegenüber der Offenburger Zeitung, und zudem in der Nähe der Schule „besonders ungünstig aufgestellt“. Ein weiterer Gemeinderat pflichtete ihm bei und meinte, das Plakat sei „unverschämt und geschmacklos“. Und der Bürgermeister versprach, nach Möglichkeiten zu suchen, das Plakat zu entfernen.

Und was ist es, dass da die Gemüter so erhitzt und angeblich die Jugend gefährdet? Du machst mich neugierig.

Auf dem Plakat steht: „Spart euch das Geld für die Kirche!“ Und es wird eine kostenlose Broschüre angeboten mit dem Titel: „Der größte Raubzug der Geschichte“.

Dieser Titel hat übrigens einen Lokalredakteur in der Nähe von Stuttgart auch sehr geärgert. Das sei „ein starkes Stück“, sagte er.

Es ist ja wirklich ein starkes Stück, wie die großen Kirchen sich vom Staat mit Milliardenbeträgen Jahr für Jahr subventionieren lassen, obwohl sie doch so reich sind. Denn darauf wird hier offenbar angespielt, nehme ich an.

Ganz genau. Der Raubzug bezieht sich in diesem Fall aber auch auf die Vergangenheit und auf die Frage, wie der immense Reichtum der Kirchen in der Geschichte entstanden ist: Durch Gewalt, durch Ausbeutung, durch Betrug und Urkundenfälschung, durch Erbschleicherei und durch Justizmorde, wo nämlich das Vermögen verurteilten Ketzern oder Hexen beschlagnahmt wurde.

Und wenn es dann einige Staatsmänner einmal wagen, einen Teil dieses auf unchristliche Weise erworbenen Reichtums der Kirche wieder abzunehmen, wie das vor 200 Jahren in der Napoleonischen Zeit geschah, dann muss der Staat auf ewig Buße tun und die Kirchen unablässig entschädigen.

Dabei vermehrt sich das Vermögen der Kirchen heute noch zusätzlich durch die Rendite aus Aktienpakete und Fondsbeteiligungen. Über die unsauberen Geldgeschäfte, die gerade wider mal der Vatikanbank IOR nachgesagt werden, wollen wir hier gar nicht reden.

Es ist doch wirklich interessant. Deutschland scheint ein Land zu sein, in dem nicht diejenigen „unverschämt“ und „geschmacklos“ und „gefährlich“ für Jugend und Gesellschaft sind, die seit Jahrhunderten den Staat ausplündern und sich an den Steuergeldern der einfachen Menschen bereichern, sondern diejenigen, die darüber berichten und darüber aufklären.

Aber immerhin: Man kann heute die Meinungsfreiheit nutzen und Plakate aufhängen und nachprüfbare Informationen unters Volk bringen. Und jeder Bürger kann sich dann selbst ein Bild machen.

Aber vielleicht ist es ja gerade das, was die Parteigänger der Kirchen so in Rage bringt. Könnte es sein, dass ihre Macht über die Köpfe doch allmählich schwindet?