Kurzmeldung Serengeti

„Serengeti darf nicht sterben!“

Das hat der Bernhard Grzimek immer gesagt, ich kann mich noch gut daran erinnern. Bist du gerade auf dem Nostalgie-Trip?

Nein. Der Satz ist jetzt wieder aktuell geworden. Die Regierung von Tansania will eine Straße quer durch das riesige Naturschutzgebiet bauen.

Und was wird aus den vielen Tieren?

Das ist eben die Frage. Es gibt dort riesige Wanderungen z.B. von Gnus. 1,3 Millionen setzen sich jedes Jahr in Bewegung von Nord nach Süd und umgekehrt, auf der Suche nach frischen Gras und frischem Wasser.

Und jetzt müssen 1,3 Millionen Gnus die neue Straße überqueren. Und Leoparden und Elefanten und Löwen und alle anderen auch. Das gibt echte Verkehrsprobleme.

Deutsche Experten haben geschätzt, dass die Zahl der Gnus auf 200 000 zurückgehen könnte, wenn die Straße gebaut wird. Das wäre en schwerer Schlag für die gesamte Tier- und Pflanzenwelt.

Und für den Tourismus. Da ist ja das Nachbarland Kenia auch noch mit beteiligt.

Und dabei gäbe es eine andere Trasse für die Straße weiter unten im Süden, die würde viel weniger in das Ökosystem eingreifen.

Ist schon merkwürdig, dass die Technokraten überall auf der Welt noch immer so planen, als gäbe es keine Tiere und Pflanzen und keine Klimakatastrophe und keine begrenzten Ressourcen. Da sagen Wissenschaftler voraus, dass die jetzigen Naturkatastrophen, wie die Flut in Pakistan oder die Waldbrände in Russland, nur ein Vorgeschmack sind auf das, was uns in wenigen Jahren und Jahrzehnten noch bevorsteht. Und trotzdem wird weiter für Fußball-Weltmeisterschaften und für Olympische Winterspiele geplant, als ob nicht s gewesen wäre.

Sogar in Deutschland, das immer gern als Vorreiter des Naturschutzes gesehen werden will, werden noch weitere Autobahnen geplant, obwohl es hier ja wirklich einige mehr gibt als in Tansania. Eine dieser Autobahnen haben sie mitten durch ein großes Biotopverbundsystem geplant mit vielen seltenen Arten. Man muss sich diesen Wahnsinn einmal vorstellen.

Was die Macht und die Unbelehrbarkeit der Bürokratie und der Baulobby angeht, ist auch Deutschland offenbar auch noch immer ein Entwicklungsland so ungefähr auf dem Stand der Dinosaurier. Aber immerhin: Die biederen Schwaben in Stuttgart sind jetzt aufgewacht und wehren sich gegen ein größenwahnsinniges und sündhaft teures Bauprojekt namens „Stuttgart 21“, das ihren kompletten Bahnhof tieferlegen und völlig umkrempeln soll.

Die Welt 21 – an diesem Großprojekt arbeiten wir alle gemeinsam. Und die Entscheidung, wie diese Welt im 21. Jahrhundert aussehen soll, die sollten wir nicht denen überlassen, die diese Welt samt ihrer Tiere und Pflanzen offenbar nur durch die klimatisierten Scheiben von Autos und Schnellzügen flüchtig zu sehen bekommen.