»Objektiv schwerwiegende Akte«

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Oberster katholischer Glaubenshüter über Abtreibung und Homosexualität: »Objektiv schwerwiegende Akte«

Kardinal Joseph Ratzinger, der oberste Glaubenshüter des Papstes, bekräftigt in einem Schreiben das »Nein« der katholischen Kirche zu Abtreibung und homosexuellen Beziehungen. Ebenfalls verurteilt wird Masturbation: »Masturbation und homosexuelle Beziehungen seien 'objektiv schwerwiegende Akte'« zitiert die Deutsche Presseagentur DPA den Kardinal. (Main-Post, 16.05.01).

Nonnen von Priestern und Bischöfen zur Abtreibung gezwungen

Wen meint der Kardinal mit seinem Schreiben? Richtet er sich an die Priester und Bischöfe in 24 Ländern, die Klosterschülerinnen und Nonnen nicht nur mit Gewalt zum Sex, sondern anschließend auch zur Abtreibung zwangen (»Mahnmal aktuell« Nr. 3: »Priester und Bischöfe vergewaltigen Nonnen«)? Diese »objektiv schwerwiegenden Akte« spielte der Vatikan herunter: Es handle sich um ein »regionales Problem«.

Minderjährige Mädchen und Jungen von Pfarrern missbraucht

Oder hat der oberste Glaubenshüter den Pfarrer in Belgien im Blick, der mindestens 26 minderjährige Jungen und Mädchen sexuell missbrauchte? Wendet sich Ratzinger an den Pfarrer im Elsass, der sieben Ministranten im Alter von 11 bis 14 Jahren unsittlich berührte? Oder den Geistlichen in Caen (Frankreich), der elf Jungen auf perverseste Weise sexuell misshandelte? Dieser Angeklagte hatte seine Vergehen seinem Erzbischof sogar mehrfach gebeichtet. Der als Zeuge vernommene Erzbischof von Bayeux-Lisieux verweigerte vor Gericht die Aussage. (Mahnmal aktuell Nr. 3: »Sexueller Missbrauch durch Pfarrer und Priester«)? Die Pfarrer in Belgien und Frankreich wurden zu langjährigen Haftstrafen verurteilt. In Deutschland kommen Priester und Pfarrer in solchen Fällen meist wesentlich glimpflicher davon: Oft reicht als »Strafe« die Versetzung in ein anderes Kloster ...

In England ist man schon weiter: Im Kampf gegen Kindesmissbrauch sollen laut Pressemeldungen alle Priester und Angestellte der katholischen Kirche von der Polizei überprüft werden. Es soll eine landesweite Datenbank angelegt werden (»Kommission regt Schritte der Kirche gegen Kindesmissbrauch an« - AP-Meldung vom 17.04.2001)

Katholische Sexualmoral und psychische Störungen

Sexuelle Störungen und Perversitäten bei Priestern und Bischöfen, wie auch bei »einfachen Gläubigen« sind oftmals auf destruktiv erlebte Glaubensüberzeugungen zurückzuführen - seelische Störungen und Ängste vor der ewigen Verdammnis und einem strafenden Gott, sexuelle Nötigung durch Priester in der Kindheit, Zwangszölibat und körperliche Züchtigungen in kirchlichen Heimen (»Mahnmal aktuell« Nr. 3: »Sexueller Missbrauch, Neurosen, Repressalien - Das real existierende katholische Elend«). Das beschreibt der Psychologe Richard Picker in seinem Buch »Krank durch Kirche? - Katholische Sexualmoral und psychische Störungen« (Wien, Köln, Weimar: Böhlau, 1995). Da Priester und Ordensleute immer öfter in den Verdacht geraten, »an Delikten sexuellen Missbrauchs beteiligt zu sein« (»Kirche intern«, September 1999), werden Klostertherapien eingerichtet: Die katholische Zeitschrift »Kirche intern« nennt als Beispiel den Abt eines Stiftes in Österreich, »der im Kloster Pernegg ein Psychiatriezentrum für Klerus, Ordensleute und pastorale Mitarbeiter einrichten« will.


»Mahnmal aktuell« meint:
Solange die Kirche in den eigenen Reihen keine Taten folgen lässt, mutet die DPA- Meldung eher wie eine Satire an.