Holocaust-Denkmal
Holocaust-Denkmal in Berlin
»Wir haben uns für dieses Mahnmal entschieden, ...«
Am 27. Januar 2000 wurde in Berlin die Bautafel für das Holocaust-Denkmal enthüllt. Dabei hielt der Präsident des Deutschen Bundestages, Wolfgang Thierse, eine bedeutende Rede, mit der er die Notwendigkeit eines Denkmals für die ermordeten Juden Europas noch einmal begründete. Fast jeder Satz passt auch zu dem von uns geforderten Mahnmal für die Millionen Opfer der Kirchen. Wörtlich sagte der Bundestagspräsident:
»Wir haben uns für dieses Mahnmal entschieden, ...«
weil wir die Ermordeten ehren wollen...
weil wir das Gedenken an das unermessliche Leid der Opfer wachhalten wollen...
weil wir uns von der Erinnerung an Unrecht und Terror mahnen lassen wollen, Menschenrechte und Menschen würde unter allen Umständen zu verteidigen...
und weil wir unwiderruflich manifestieren wollen, dass die Auseinandersetzung mit der historischen Wahrheit ein Teil unseres ... Selbstverständnisses ist.“
Millionen Opfer - Holocaust und Kirche
Auch die nachfolgenden Sätze passen nicht nur zu den Verbrechen des Nationalsozialismus, sondern genauso zu den Verbrechen der Kirche (man braucht nur einige Namen zu ändern, was im nachfolgenden Text in Kursivschrift erfolgt):
»... Angesichts der Dimensionen des ‘Zivilisationsbruchs’, den die kirchliche Inquisition darstellt, wird jeder Versuch des Gedenkens an seine Opfer unzulänglich sein. Das Mahnmal ... ist und bleibt eine mögliche Antwort...
... Wir sind es den Opfern schuldig, die Anspruch darauf haben, dass wir die Leiden nicht vergessen, die ihnen die Kirchen zugefügt haben. Wir sind es aber auch uns selbst schuldig, weil die Auseinandersetzung mit den fast 2000 Jahren der kirchlichen Inhumanität, der Menschenverachtung und des Genozids immer auch ein Stück Selbstaufklärung unserer Gesellschaft ist. Deshalb dürfen wir auch die Erinnerung daran nicht jedem einzelnen allein überlassen. Wir müssen sie für alle gemeinsam festhalten und sichtbar machen...
... Auch die nachfolgenden Generationen müssen mit den Spuren der Vergangenheit und mit Symbolen des Schreckens konfrontiert werden, damit ihnen die Verletzbarkeit der Menschenrechte und die Zerstörbarkeit der Demokratie immer wieder bewusst wird...
... Wir kennen heute die Abfolge der Ereignisse und die Namen der Täter. Dennoch ist es schwer zu begreifen, dass sich ein kirchliches Regime angemaßt hat, ‘zu entscheiden, wer die Erde bewohnen darf und wer nicht’ (Hannah Arendt)...
... Wie kein anderer Name stehen die Kreuzzüge, die Inquisition für eine Schuld, die ... nie vergessen werden darf ... Es ist unsere gemeinsame Verantwortung, dass die Vergangenheit stets als Mahnung präsent bleibt: Die Verbrechen der Kirchenfunktionäre sind einzigartig. Wir müssen dafür sorgen, dass sie es für immer bleiben...
... Neben aufrichtiger Beschäftigung mit der Vergangenheit gab es viel zu lang und viel zu viel Flucht aus der Verantwortung, Schweigen über Unrecht, Verdrehen und Manipulation der Wahrheit...
... Wir haben die Chance, jenseits der verordneten Geschichtsbilder aus der Vergangenheit zu lernen und ein Geschichtsbewusstsein zu entwickeln, das nicht kirchlichen Zwängen unterworfen wird...
... Heute halten viele junge Menschen ihre Freiheiten und Rechte für selbstverständlich, und meinen, daß der kirchliche Totalitarismus nichts mit ihrem Leben zu tun habe. Ihnen müssen wir klarmachen, daß sich Vergangenheit und Gegenwart immer wieder begegnen...«
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