Gerhard Rampp, Bund für Geistesfreiheit:
Der zweite Punkt: Wie finanzieren sich denn dann die kirchlichen Sozialeinrichtungen? Tatsache ist, daß weniger als 10% der Kirchensteuer für öffentliche soziale Zwecke verwendet wird.
Beispielsweise kirchliche Krankenhäuser und Altenheime. Nach eigener Aussage der Kirchen, auf Anfragen geben die Kirchen zu, finanzieren sich beide mit 0% Kirchensteuern, also völlig ohne Kirchensteuermittel. Trotzdem haben die Kirchen in den Einrichtungen, wo sie tätig sind, das alleinige Sagen – siehe Tendenzschutz. Sie können auch dort fristlos entlassen.
Das Märchen von den "sozialen Zwecken"
Etwas anders sieht es aus bei Sozialstationen. Da ist der Anteil etwa 12%, bei Kindergärten ist er, je nach Bundesland, zwischen 7 und 11%. Wobei aber häufig dann noch freiwillige Zuschüsse der Kommunen diesen Betrag reduzieren, so daß man wahrscheinlich sogar eher sagen muß, daß es noch ein bisserl weniger ist.
Das muß man mal wissen. Viele von den Kirchensteuerzahlern wissen es natürlich auch nicht - ich krieg das immer wieder zu hören -, die meinen: Ja gut, ich halt von der Kirche zwar gar nichts, aber wenigstens, gut, es kommt ja sozialen Zwecken zugute, und dann habe ich sozusagen mein Gewissen erleichtert, auf die Art und Weise. Da muß man sagen, das ist wohl eine der größten Irrtümer und eine der kostspieligsten Irrtümer überhaupt.
Das Kirchenvermögen beläuft sich auf 662 Milliarden
Vielleicht noch ein letztes zum Reichtum der Kirchen. Es wurden vorher ja die Hexenprozesse angesprochen. In der Tat, die insgesamt in Deutschland etwa 90.000 bis 100.000 Toten, die es während der Hexenverfolgung gab, das ist natürlich auch schon schlimm genug. Aber was ja nicht bekannt ist: Die weitaus meisten haben ja Hexenverfolgungen überlebt. Sie konnten sich quasi freikaufen, vor allem Adlige, haben aber einen erheblichen Teil ihres Besitzes der Kirche vermacht.
Die Kirchen haben heute nach den Recherchen von Dr. Carsten Frerk allein in Deutschland ein Vermögen von zusammen 662 Milliarden Euro, wobei die Kunstschätze noch nicht einmal inbegriffen sind, die einfach nicht quantifizierbar sind. Aber würde man die hinzurechnen, könnte man überschlagsweise sicherlich auf einen Betrag kommen von etwa 1 Billion, das heißt einer Million Millionen. Man muß sich das mal vorstellen.
Ein weitere Beispiel: Die Kirchen haben ja jetzt im Zusammenhang mit den Flutopfern in Südostasien ihre Leute, ihre Gläubigen zu Spenden aufgerufen. Aber haben Sie vielleicht einmal nur mitbekommen, daß die Kirchen selber in ihre Schatulle gegriffen hätten und da vielleicht auch einmal etwas gespendet hätten? Das kam ihnen nicht in den Sinn. Der Staat war hier relativ großzügig und hat 500 Millionen Euro zur Verfügung gestellt für die Tsunami-Opfer. 500 Millionen. Die Kirchen hätten 1 Million Millionen, das Zweitausendfache dieser 500 Millionen. Wenn sie vielleicht doch nur mal zusammen auch 500 Millionen zur Verfügung stellen könnten, wäre das ja vielleicht auch schon ein Schritt. Aber davon sind sie weit entfernt.
Nur noch 62% der Bevölkerung sind Mitglieder der Kirchen.
Schon bald sind sie eine Minderheit.
Jetzt müßte man aber natürlich fragen: Warum haben denn die Kirchen dann heute noch diesen Einfluß bei uns, der ja jetzt auch geschildert worden ist, den Sie heute abend hautnah mitbekommen haben? Das Erstaunliche ist, die nominelle Zahl der Kirchenmitglieder geht ja beachtlich zurück. Allein seit 1990 haben die Kirchen prozentual etwa ein Siebtel ihrer Mitglieder verloren. Interessanterweise. Der Anteil ist von 72,4 auf gegenwärtig 62 Prozent der Bevölkerung in Deutschland zurückgegangen.Übrigens nicht nur durch Kirchenaustritt, sondern auch dadurch, daß längst nicht mehr alle Neugeborenen getauft werden. Jede der beiden Kirchen liegt unter 31%. Allein im vergangenen Jahr haben sie 670.000 Mitglieder verloren.
Trotzdem ist es merkwürdig, die kirchliche Macht nimmt kaum ab. Warum? Vielleicht liegt es daran, daß die Kirchen sehr straff organisiert sind, während auf der anderen Seite die Kirchenfreien, die Konfessionsfreien halt lauter Individualisten sind. Die Konfessionsfreien in Deutschland sind inzwischen übrigens zahlenmäßig größer als die beiden Kirchen. Die beiden Kirchen haben 31%, und die Konfessionsfreien 34%, wären also am stärksten. Trotzdem nimmt man sie kaum wahr, weil sie halt nicht so gut organisiert sind ... weiter ...
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